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"Der Oberfeldherr“– Feldmarschall Michael Andreas Barclay de Tolly (1761-1818); von Dr. Gerhard Bauer, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden.

Im 18. und 19. Jahrhundert besetzten zahlreiche Baltendeutsche hohe Posten in der militärischen Führung und der Verwaltung des russischen Reiches.
Die Offizierslaufbahn des Livländers Barclay de Tolly begann unter Zarin Katharina II., der „Großen“. Erst der Kampf gegen die Vorherrschaft Napoleons I. über Europa begründete seinen Aufstieg. In der letzten Phase der Befreiungskriege war Barclay eine der Schlüsselfiguren der gegen Napoleon gerichteten Koalition.
Tapfer und anspruchslos, nüchtern und zurückhaltend eignete er sich nicht zum strahlenden Helden. König Ludwig I. von Bayern nahm 1841 dennoch seine Büste in die Walhalla bei Donaustauf auf. Für ihn war der Balte ein „rühmlichst ausgezeichneter Teutscher“.
Barclays maßgeblicher Anteil am Untergang Napoleons geriet seit seinem Tod mehr und mehr in Vergessenheit. Stattdessen wurde sein Gedenken immer wieder politisiert und instrumentalisiert, auch im Zusammenhang der beiden Weltkriege, von russischer, deutscher und auch von estnischer Seite.
2021 erwarb das Militärhistorische Museum der Bundeswehr mehr als 200 Dokumente aus dem Nachlass des Feldmarschalls Fürst Barclay de Tolly.
Sie waren um 1890 mit dem Erben des Fürstentitels nach Sachsen gelangt und 1945, weiterhin in Familienbesitz, nach Münster und dann nach Berlin.

Der Vortrag zielt darauf ab, den zu Unrecht vergessenen „général en chef der vereinigten russischen und preußischen Armeen“ von 1813/14 in Erinnerung zu rufen – mehr als 210 Jahre nach der Leipziger Völkerschlacht. Er soll aber auch einen Eindruck vom Inhalt des Konvoluts vermitteln, dessen größte Anteile Einblicke in Generalstabsarbeit auf höchster Ebene in den Jahren 1811 bis 1815 erlauben.
Der militärische Schriftverkehr Barclays, zumal die Dokumente aus der Zeit der Kämpfe von 1813 in Deutschland, nötigen heutige Leser zu Korrekturen des überlieferten Bildes der Befreiungskriege: Von einer „nationalen Erhebung“ gegen die napoleonische Vorherrschaft konnte damals keine Rede sein.
Barclay de Tolly war es, der in einem Memorandum während des Waffenstillstands im Frühsommer 1813 konstatierte, dass Napoleon nicht nur militärisch besiegt, sondern seine Herrschaft beendet werden müsste. Das gelang 1814 einer Koalition, in deren militärischer Führung Barclay de Tolly eine der höchsten Positionen besetzte.

Der Vortrag findet im Garnisonmuseum Ludwigsburg statt:
Asperger Str. 52
71634 Ludwigsburg

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

#Ludwigsburg, Militärgeschichtliche Gesellschaft Ludwigsburg e.V., #2023